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Jeder ist anders - Frauen auch

Jeder ist anders - Frauen auch
Jeder ist anders - Frauen auch
v.l.n.r.: Sr. Dr. Lea Ackermann, Dr. Antje Schrupp, Anne Wizorek, Britta Baas © Annette Krumpholz
17.01.2020, Frauen Hofheim, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg
Kabarettistin Ulrike Böhmer

Der kleine Saal der Stadthalle Hofheim ist am vergangenen Freitag gut gefüllt. Das Thema: wie kann echte Gleichstellung der Geschlechter in Kirche und Gesellschaft gelingen? Im Publikum: nahezu ausschließlich Frauen. Warum nur fast keine Männer, möchte man verwundert ausrufen. Schließlich ist die Gleichstellung doch eine so wichtige und zukunftsweisende Frage für das Zusammenleben von uns allen.

Auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Bezirk Main-Taunus diskutieren exzellente Expertinnen aus drei Generationen: Dr. Lea Ackermann, die sich als Ordensschwester gegen Prostitution engagiert und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes ist, trifft auf Politikwissenschaftlerin und Journalistin Dr. Antje Schrupp. Diese forscht, bloggt und schreibt seit rund 25 Jahren zu feministischen Themen. Ergänzt wird die Podiumsrunde durch Anne Wizorek, deren Tweet #aufschrei einen breiten gesellschaftlichen Diskurs zu Alltagssexismus auslöste und unter anderem mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer sorgt für satirische Spitzen, erfrischende Pointen und herzhaftes Lachen.

Frauen sind keine Einheit

Konsens gibt es darüber, dass Frauen als politische Wesen nicht einheitlich zu sehen sind. Jede ist individuell und es ist eine breite Vielfalt von Meinungen und Zielen vertreten. Auch wenn Frauen schon viel erreicht haben hinsichtlich der Gleichstellung – so wie es jetzt ist, ist es noch lange nicht gut! Dies sagt jedoch noch nichts darüber, wie konkret eine ideale Zukunft aussehen soll. Beispielsweise nütze ein Gesetz für eine festgeschrieben Frauenquote in den Vorständen von Unternehmen nur einem Bruchteil aller Frauen, so Wizorek. Man müsse aber die Gesellschaft als Ganzes im Blick haben und wegkommen von der Maxime, dass bezahlte Erwerbsarbeit der einzige Platz der Erfüllung sei.

Care-Arbeit

Generell ist die sogenannte Care-Arbeit ein zentraler Punkt der Gleichstellungsfrage, ergänzt Schrupp. Care-Arbeit bedeutet beispielsweise die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Älteren. Meist werde diese Arbeit von Frauen und unentgeltlich geleistet, was wirtschaftliche Abhängigkeiten der Frauen verschärfe. Schrupp betont, dass die Care Arbeit ein Symptom unserer Gesellschaft sei, die so gerne eine zweigeteilte Logik verwende: das Öffentliche stehe dem Privatem gegenüber und der Mann der Frau. Dabei müsse man das Gerüst unserer Gesellschaft dringend gemeinsam neu erbauen und zusammen an einem Strang ziehen.

Was macht Macht?

Schrupp hebt auch hervor, dass es ganz unterschiedliche Strategien gebe, mit Macht umzugehen. So bestehen manche Frauen darauf, in sämtlichen Bereichen eben all jene Rollen und Positionen zu übernehmen, die Männer innehaben. Ein Gegenargument dazu sei, gerade dies abzulehnen und sich nicht in die althergebrachten patriarchalen Strukturen einzufügen – weil man dadurch nichts bewege. Ackermann ergänzt, dass derjenige, der die Macht besitze, keinerlei Anreiz habe, sich zu verändern. Wer lange zu viel Macht habe, könne sich gar nicht mehr weiterentwickeln. Zudem sei der weibliche Blick auf Macht ein vollkommen anderer als der männliche. Frauen verständen unter Macht eher den Wunsch und die Fähigkeit, etwas bewirken zu können. Männer seien häufig vom Streben nach institutioneller Macht angetrieben, also von der Freiheit, Entscheidungen zu treffen ohne Rücksicht auf andere nehmen zu müssen. Die Männer-Dominanz in der Kirche sei geradezu ungeheuerlich und die rein patriarchale Entwicklung ein fataler Fehler der Kirche. Da sei man in früheren Zeiten schon mal weiter gewesen, als es noch für Ämter geweihte Frauen in der Kirche gegeben habe, so Ackermann.

Konflikte aushalten

Frauen sollten sich gegenseitig sichtbar machen, sich unterstützen und einander helfen und gleichzeitig das eigene Selbstbewusstsein stärken. Veränderungen seien nur möglich, wenn man Auseinandersetzungen mit anderen und deren Wut aushalte, so Schrupp. Grundlegend sei einzig und alleine, dass man auch wirklich eine Veränderung erreichen wolle. Mit einem Augenzwinkern gesteht die Ordensfrau Ackermann: „was mich wütend macht, bringt mich vorwärts.“…oder wie es die Kabarettistin Ulrike Böhmer es als Ruhrpott-Schlappmaul auf den Punkt bringt: „Wennste inne Wallung drin bist, denn kannste auch was bewegen!“.

17.01.2020, Frauen Hofheim, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg
Anne Wizorek, Britta Baas (v.l.n.r.)