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Menningrot statt Mausgrau

Generalsanierung der Frauenfriedenskirche ist im Zeitplan/Wiedereröffnung im November
Menningrot statt Mausgrau
Menningrot statt Mausgrau
Vorher - nachher: Pfarrer Joachim Braun demonstriert den Unterschied © Reichwein/Bistum Limburg
© Ernst KleinwächterDie Mosaikwand ist gereinigt, die Hintergrundfarbe kräftig.

„Eine umwerfende Kirche“: Architekt Erik Ressel, dessen Büro für die umfassende Sanierung der Frauenfriedenskirche zuständig ist, ist ganz offensichtlich ein Fan des ungewöhnlichen Sakralbaus. Er habe Gänsehaut bekommen, als er sie zum ersten Mal betreten habe, bekennt er beim Rundgang auf der Baustelle. Was im Frühjahr 2018 mit einer technischen Ertüchtigung begonnen hat, ist eine komplette Innen- und Außensanierung und die Restaurierung des eindrucksvollen Innenraums sowie der Kunstwerke in und an der Kirche geworden. Inzwischen sind die ursprünglichen Schäden beseitigt und die Wiederherstellung der bauzeitlichen Fassung begeistert nicht nur den Architekten.

Vor allem die kräftigen Farben ziehen die Blicke magisch an. Statt dem früheren Mausgrau sind jetzt auf die Wände in drei Anstrichen Beige, Grün und Weiß aufgetragen worden. Originalgetreu wie zur Erbauung 1929. Die Mosaikwand hinter dem Hochaltar ist gereinigt und die dargestellten Heiligen Frauen rund um die Mutter Gottes und das Kruzifix gewinnen an Tiefe und Ausstrahlung vor einem nunmehr wieder kräftig getönten Hintergrund, im Farbton ebenfalls dem Befund aus der Bauzeit entsprechend. In der Mitte des Kirchenraums ahnt man die neue räumliche und liturgische Mitte der Frauenfriedenskirche mit der erhöhten Altarinsel und dem Platz für den neuen Ambo und den neuen Altar in Form eines halben Ovals aus Messingguss, die der Rottweiler Künstler Tobias Kammerer gestaltet hat.

Fast unsichtbar sind die Neuerungen im technischen Bereich. Über sieben Kilometer Kabel wurden gezogen, um Licht und Akustik an moderne Bedürfnisse anzupassen. An der Decke erkennt man bereits die neuen Strahler, die den Hochaltar und den neuen Altar ins rechte Licht setzen. Über 14.500 Kubikmeter Gerüst waren nötig, um Putz und Anstrich, Elektrik und Wände zu sanieren. Mit Abbau dieses Gerüstes geht es jetzt mit dem neuen Estrich und der Verlegung der bauzeitlichen Bodenplatten weiter. 

In der Krypta, die bereits im Februar der Gemeinde zurückgegeben werden konnte, wird die Pietà von Ruth Schaumann durch die wiederbelebte farbliche Gestaltung des Raumes, die Lichttechnik und die schön restaurierten Fenster eindrucksvoll in Szene gesetzt. Hier ist der traditionelle Ort für das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt.

Zurzeit ist das Portal im Mittelpunkt der Arbeiten. Neben der Sanierung der Fassadenplatten werden die 12m hohe Regina Pacis von Emil Sutor und die Fassadenmosaike restauriert. Die Architektin rechnet mit einer Dauer von rund zwei Monaten. Am 22. November wird die Frauenfriedenskirche wiedereröffnet werden. Die Gemeinde plant einen Festzyklus bis Mai 2021, der den Möglichkeiten aufgrund der CoronaKrise entsprechend angepasst werden wird. 

Die Kosten belaufen sich auf knapp fünf Millionen Euro. Die Finanzierung ist gesichert, wenngleich für die Restaurierung bauzeitlicher Ausstattungsgegenstände weitere Spenden willkommen sind. Ganz oben auf der Wunschliste steht die überfällige Wartung und Überarbeitung der großen Orgel. Das Bistum Limburg, das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und zahlreiche private Spender und Institutionen unterstützen die Kirchengemeinde und den Freundeskreis Frauenfrieden e.V. bei dieser Aufgabe. 

Seit 2017 ist Frauenfrieden einer der fünf Kirchenorte der neu gegründeten Pfarrei Sankt Marien Frankfurt am Main und deren Pfarrkirche.

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© Reichwein/Bistum LimburgAuch die Krypta erstrahlt in neuem Licht
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Die Frauenfriedenskirche in Frankfurt am Main-Bockenheim wurde 1929 geweiht. Sie ist die einzige Kirche im deutschsprachigen Raum, die insbesondere auf die Initiative von Frauen hin errichtet wurde. Unter der Leitung des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) entstand ein Ort des Gedenkens an die Opfer des Ersten Weltkrieges und der Bitte um Frieden - ein „steinernes Friedensgebet“, wie die deutsche Frauenrechtlerin und Politikerin Hedwig Dransfeld (1871-1925), die Initiatorin der Kirche, es formulierte.  Das Ensemble aus Kirche, Ehrenhof und Gemeindehaus, das zu den bedeutendsten Sakralbauten des 20. Jahrhunderts zählt, steht wegen seiner besonderen historischen Bedeutung unter Denkmalschutz.