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„Wie ein Abenteuer“

Ein Gespräch über die Entscheidung eines jungen Mannes zum Diakon
„Wie ein Abenteuer“
„Wie ein Abenteuer“
Fabian Bruns möchte Diakon werden. © Bistum Limburg

Ihm steht ein großer Tag bevor, der sein Leben von Grund auf verändert wird: Fabian Bruns aus der Pfarrei St. Jakobus in Frankfurt-Niederrad wird am Pfingstsonntag, 31. Mai, um 14.30 Uhr im Limburger Dom mit vier weiteren Männern von Bischof Georg Bätzing zum Diakon geweiht. Eigentlich sollte der 27 Jährige bereits als Diakon im Dienst der Kirche wirken, aufgrund der Corona-Pandemie jedoch wurde der Termin auf Ende Mai verschoben. Nun steht Fabian Bruns kurz vor der Weihe.

Wie geht es Ihnen gerade? Überwiegt die Vorfreude oder die Nervosität?
Für mich ist die bevorstehende Weihe etwas ganz Besonderes. Dass es nun endlich konkret wird in dieser doch schwierigen Zeit, freut mich. Bisher bin ich voller Vorfreunde und wenig nervös, das kann aber vielleicht noch kommen.

Was bedeutet die Weihe für Sie?
Für mich ist die Weihe vergleichbar mit einer Hochzeit. Zum einen ist es ein Endpunkt, man trifft eine wichtige Entscheidung für das restliche Leben, zum anderen ist es auch ein Startpunkt, der einen in eine neue Lebensphase einführt, wo viel Neues beginnt, das mich für immer begleiten wird. Es verändert sich für mich schon sehr viel, denn ich entscheide mich nach sechs Jahren nun verbindlich dafür und möchte als Diakon zölibatär leben. Der nächste Schritt ist für mich dann das Priestertum.

Ihr Privatleben wird sich durch das freiwillige Versprechen der Enthaltsamkeit verändern. Was kommt als Diakon beruflich nun auf Sie zu?
Ich habe mich über neun Monate in der Pfarrei vorbereitet, denn mich erwarten viele neue Aufgaben, vor allem der Dienst der Beerdigung, Taufe und Eheschließung. Ich werde auch die Krankenkommunion spenden und dem Priester oder Bischof in der Messe dienen. Das ist auch sehr wichtig, denn das Wort Diakon kommt ursprünglich aus dem Altgriechischen und bedeutet Diener. Er steht in der Nachfolge Jesu, der den Menschen ganz zugewandt war, dienend, helfend und heilend. Der Diakon steht anderen Menschen zur Seite. Der karitative Aspekt war mir bereits in meiner Ausbildung sehr wichtig.

© Bistum LimburgFabian Bruns möchte Diakon werden.

Wie kam es dazu, dass Sie sich in den Dienst Jesu stellen wollen?
Während meines Chemiestudiums hatte ich eine große Lebens- und Sinnkrise. Ich war mir unschlüssig, was ich aus meinem Leben machen soll. Irgendwann stand ich vor der Frage, ob das, was ich als Kind über den Glauben gelernt habe, wahr ist oder nicht. Mein Vater ist verheiratet und Ständiger Diakon. Diese Frage habe ich als sehr entscheidend erlebt. Als ich mich immer mehr damit auseinandergesetzt habe, ist ein Feuer oder vielmehr eine Faszination entstanden, die Jesus auf mich ausgeübt hat. Dem wollte ich auch folgen. Ich erlebe das als ganz großes Abenteuer, mich radikal darauf einzulassen und in der Nachfolge Jesu zu leben. Dieses Gefühl ist ein bisschen wie verliebt zu sein. Man brennt sehr für die Sache und für den Weg, sodass ich dann ins Priesterseminar eingetreten bin. Bei meiner Entscheidung haben meine Erfahrungen mit Menschen auch eine große Rolle gespielt. Wichtig war für mich das Praktikum in der Justizvollzugsanstalt in Diez. Im Gespräch mit den Menschen über den Glauben wurde mir immer wieder bewusst: Das ist das Richtige für mich.

Nun werden Sie am Pfingstsonntag aufgrund der Corona-Pandemie unter besonderen Bedingungen geweiht. Wie läuft die Messe in diesen Zeiten ab?
Im Gottesdienst im Limburger Dom werden alle Sicherheitsregeln eingehalten. Das bedeutet, jeder hält Abstand und wir feiern nur im kleinsten Kreis der Familie. Für mich ist das schon auch schmerzhaft, denn viele Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben, können nun nicht dabei sein. Die werden den Moment nicht miterleben dürfen, nur über einen Live-Stream, das tut mir sehr leid. Allerdings glaube ich auch, dass es ein wichtiges Zeichen ist, dass die Kirche Menschen in ihren Dienst nimmt und gerade in dieser Krisenzeit zu den Menschen sendet.