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Authentisch, intensiv und beklemmend

Petra Roth liest im Haus am Dom aus "Scheintod"
Authentisch, intensiv und beklemmend
Authentisch, intensiv und beklemmend
Petra Roth, Frankfurts ehemalige Oberbürgermeisterin, liest aus dem Roman "Scheintod" von Eva Demski. © Joachim Valentin

Es ist ein hartes Frankfurt, das Eva Demski in ihrem Roman „Scheintod“ beschreibt. Ein Frankfurt politischer Unruhen, eine Zeit von Drogen und RAF-Gewalt. Und ein Frankfurt, an das sich Petra Roth, ehemalige Oberbürgermeisterin, selbst noch gut erinnert. „Ich kenne die Ecken und Szenen, die beschrieben werden“, sagte Roth am Mittwochabend im Haus am Dom.

Die CDU-Politikerin, die von 1995 bis 2012 im Römer regierte, präsentierte im Rahmen des Lesefestes „Frankfurt liest ein Buch“ Passagen aus dem Roman von Eva Demski. Die eindringlich geschilderten Szenen brachten Petra Roth auch selbst ins Erzählen: Im Februar 1964 sei sie von Bremen nach Frankfurt gekommen – und hingerissen aus dem Hauptbahnhof auf den Bahnhofsvorplatz getreten. „Die Größe, die Weite und Lebendigkeit –das war völlig neu, mit Bremen nicht zu vergleichen“, so Roth rückblickend. Sie habe sich die neue Stadt „erlaufen“ und auf diese Weise so gut wie alle Ecken kennengelernt, die schönen und die weniger schönen. Doch zugleich habe sie aus der Zeitung erfahren, was für eine „belastete Stadt“ ihr neuer Wohnort war.

Hotspots ausgetreten

„Frankfurt war in den 60ern die Stadt der Häuserkämpfe, ein RAF-Schwerpunkt und ein Schauplatz der Drogenszene. Aber die gesamte Stadtgesellschaft und die Politik im Römer haben diese Hotspots austreten können und durch demokratische Beschlüsse die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger verbessert. Es hat sich politisch vieles beruhigt.“ 1977 wurde Roth Stadtverordnete – und erkennt heute einige der Figuren, die ohne Namen im Buch auftauchen, wieder. „Das, was hier beschrieben wird und was heute wie ein Kriminalroman erscheint, war damals Tagespolitik“, so die ehemalige Oberbürgermeisterin. Von Rauch vergilbte Wände und vergitterte Fenster, Männer in Trenchcoats - besonders gut gefallen ihr die authentischen, intensiven und beklemmenden Bilder, die Eva Demski mit ihrer Erzählung auslöst. Umso mehr, weil Roth und Demski auch privat befreundet sind und die ehemalige OB die Freundin in manchen Passagen regelrecht heraushört.

Bei Lesungen im Haus am Dom ist Petra Roth ein regelmäßiger Gast: Aus fast allen Büchern, die bislang im Programm von „Frankfurt liest ein Buch“ waren, hat sie auf Einladung der Katholischen Akademie vorgetragen. Meist auf der Dachterrasse, manchmal, wie am gestrigen Abend, aus Wettergründen im Großen Saal. „Aus zehn von zwölf Büchern haben Sie hier gelesen, für uns ist das eine große Freude und Ehre“, sagte Direktor Prof. Joachim Valentin in seiner Begrüßung. Auch er unterstrich, wie weit die Stadt sich heute von dem Bild entfernt habe, das im Roman „Scheintod“ davon entworfen wird: Frankfurt habe sich gerade in der Regierungszeit von Petra Roth emanzipiert hin zu einer offenen, sicheren, grünen, kulturell- und bildungsorientierten Stadt.

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