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„Stimmen migrantischer Familien müssen ernstgenommen werden!"

„Stimmen migrantischer Familien müssen ernstgenommen werden!"
„Stimmen migrantischer Familien müssen ernstgenommen werden!"
© Frank Mckenna
© Laura-Maria Joksimovic Wie können Informationen Familien mit Migrationsgeschichte direkt erreichen? Darüber wurde im Haus am Dom diskutiert.
© Laura-Maria Joksimovic Wie können Informationen Familien mit Migrationsgeschichte direkt erreichen? Darüber wurde im Haus am Dom diskutiert.

"Komplexität" und "fehlende Informationen" – diese beiden Stichworte beschreiben die Erfahrungen von migrantischen Familien beim Beantragen von Leistungen. Doch was brauchen sie stattdessen und was muss sich ändern, damit sie künftig von familienpolitischen Angeboten erreicht werden?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich Vertreterinnen und Vertreter der Familienpolitik auf der Fachtagung „Was brauchen Familien?“. Für Kooperationspartnerin Chrysovalantou Vangeltziki, Vorsitzende des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften, war die Veranstaltung eine Plattform, auf der sich alle Beteiligten der Familienpolitik über den Anspruch und die eigentliche Umsetzung der Familienpolitik austauschen könnten. In der dafür vorgesehenen Diskussionsrunde mit Moderatorin Carmen Colinas waren das Bundesfamilienministerium, die Familienkasse Hessen und zivilgesellschaftliche Beratungsstellen vertreten.

Am Beginn der Diskussion berichteten Encarni Ramirez Vega (Frauenrecht ist Menschenrecht e.V.) und Nuria Silvestre (MBE Beratung) aus der Beratung. "Die bürokratischen Hürden, darunter aufgeblähte Anträge, sind das größte Problem der familienpolitischen Arbeitspraxis", sagte Encarni Ramirez Vega. Außerdem, so kritisierte sie, sei der Zugang zu Informationen über familienpolitische Leistungen eingeschränkt. Aufgrund fehlender Transparenz erfolge der Informationsfluss meist innerhalb informeller Kreise, über Nachbarn oder Familienangehörige. Nuria Silvestre beklagte zudem die fehlende Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Beteiligten in der Familienpolitik.

Mehrsprachige Kollegen bevorzugt

Die Vertreter der Familienkasse, die bei der Bundesagentur für Arbeit zuständig ist für Kindergeld, Kinderzuschlag und weitere finanziellen Hilfen, versuchen in ihrer Arbeit auf die genannten Probleme zu reagieren. So berichtet Najim Boussouf, Führungsberater Management bei der Familienkasse Hessen, es werde eine Zusammenarbeit mit verschiedensten Behörden und Initiativen angestrebt, um das Informationsangebot für eine breitere Masse zugänglich zu machen und zu netzwerkend. "Ergänzend hierzu wird zum Beispiel auch darauf geachtet, dass sprachliche Barrieren in der Arbeitspraxis abgebaut werden", so Boussouf. Das konnte sein Kollege unterstreichen: "Mehrsprachigkeit ist ein wichtiges Kriterium bei der Personalauswahl", ergänzte Christian Schlindwein, Bereichsleitung Familienleistungen bei der Familienkasse Hessen.

Auch im Bundesfamilienministerium werden Anstrengungen unternommen, um die Leistungen zugänglicher zu machen, zum Beispiel indem die Angebote digitalisiert werden. "Langfristig muss eine digitale Bündelung der Angebote das Ziel sein", so Christine Mühlbach, Leiterin des Referats Internationale Familienpolitik und gesellschaftliche Integration von Familien. Dabei sollte das Motto in der familienpolitischen Arbeit „Die Leistungen kommen zu den Familien“ lauten.

Komplexität kann überfördern

Chrysovalantou Vangeltziki wies auf eine weitere Problematik in der Arbeitspraxis hin, nämlich dass es verschiedene Ansprechpartner für verschiedene Leistungen gibt: "Diese Komplexität überfordert die meisten Familien!" Dieser Beobachtung schloss sich Christian Schlindwein von der Familienkasse an und nannte als Ursache die immer komplexer werdende familienpolitische Rechtslage. Christine Mühlbach sah in einem „one-stop-shop“, also einer zentralen Anlaufstelle für alle Leistungen, eine mögliche Lösung für das Problem. Alle Beteiligten waren sich einig, dass es denkbar sei, die gesamten Leistungen in der sogenannten Kindergrundsicherung gebündelt anzubieten. Doch trotz dieser Einigkeitsbekundungen scheinen Anspruch und Realität in der Familienpolitik auseinanderzuklaffen. Deshalb wünscht sich Chrysovalantou Vangeltziki vor allem eins: "Dass die „Stimmen migrantischer Familien in der Politik ernst genommen werden!"

Von Laura-Maria Joksimovic

Über den Verband binationaler Familien und Partnerschaften

1972 wurde der Verband als Interessengemeinschaft von mit Migranten verheirateten Frauen gegründet. Heute als Verband binationaler Familien und Partnerschaften bekannt sieht er sich als bundesweites Sprachrohr interkultureller Familien. Hierbei wirkt er vor allem im Bereich der Familien-, Bildungs- und Migrationspolitik. Ziel der Verbandsarbeit ist, ein gesellschaftliches Zusammenleben in Deutschland zu fördern, in dem Herkunft, Nationalität und Aufenthaltsstatus keine Rolle spielen.

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