Frankfurt, 01.01.2025

Ein starkes Zeichen gegen den Hass

Der Walter-Dirks-Preis 2025 geht an die Bildungsinitiative Ferhat Unvar. Sie ist benannt nach einem der neun Menschen, die 2020 aus rassistischen Gründen in Hanau ermordet wurden, und setzt sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus ein.

Die Bildungsinitiative Ferhat Unvar erhält den diesjährigen Walter-Dirks-Preis 2025. Der Preis wird vom Haus am Dom und dem Haus der Volksarbeit vergeben. Die Preisverleihung ist eingebettet in das jährlich stattfindende Gedenken an Walter Dirks, der Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Vor der Preisverleihung am Samstag, 17. Mai, um 19.30 Uhr im Bartholomäusdom findet von 16 bis 18.30 Uhr der Walter-Dirks-Tag im Haus am Dom statt. Der Eintritt ist frei, Anmeldung per Mail: hausamdom@bistumlimburg.de. Weitere Informationen gibt es hier. Im Mittelpunkt des Nachmittags steht die Aufführung des Theaterstücks „and now Hanau“ von Tuğsal Moğul und die Selbstpräsentation der Bildungsinitiative Ferhat Unvar.

Mit der Auszeichnung der Bildungsinitiative setzt die Walter-Dirks-Jury ein starkes Zeichen gegen den Hass. Ferhat Unvar, Sohn migrantischer Eltern und 1996 in Deutschland geboren, war am 19. Februar 2020 beim rassistisch motivierten Anschlag in Hanau von einem Rechtsterrorist ermordet worden, zusammen mit acht weiteren Menschen: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu und Kaloyan Velkov.

Die Bildungsinitiative erhalte den Preis für ihr herausragendes Engagement für Bildungsgerechtigkeit, insbesondere von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen sowie ihr mutiges Eintreten gegen den wachsenden Rechtextremismus und Rassismus, teilt die Walter-Dirks-Jury mit. „Die Jury ehrt somit in höchst polarisierten Zeiten und gleichzeitiger Demokratiekrise eine demokratiefördernde Initiative, die seit fünf Jahren nachhaltige, antirassistische Bildungsarbeit in Hanau und Umgebung verantwortlich gestaltet. Weil die Bildungsinitiative wie Walter Dirks für inklusive Gerechtigkeit und Frieden von unten her agiert und Letzteren stiftet, insbesondere mit Gerechtigkeitssinn, Menschlichkeit, Zivilcourage und gewaltfreiem Empowerment professionell agiert und wie Walter Dirks entschieden antifaschistisch arbeitet, wird diese Bildungsinitiative zur Preisträgerin 2025 ernannt.“

Mutter erinnert an ermordeten Sohn

Hinter der Bildungsinitiative steht ein von Serpil Temiz Unvar, der Mutter des Ermordeten, ins Leben gerufener Verein, der mit Workshops, Vorträgen und Themenabenden über Alltags- und institutionellen Rassismus sowie Diskriminierung in verschiedenen Formen informieren und aufklären möchte. Konkret sollen die Angebote Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und deren Eltern, die rassistische Erfahrungen im Alltag oder in der Schule machen, eine Anlaufstelle bieten, um eigene Bedürfnisse zu benennen und Chancengleichheit einzufordern. Aus Gesprächen mit ihnen heraus wurden Workshop-Konzepte entwickelt, die an Schulen als Empowerment-Workshops angeboten werden. Die zwei bestehenden Workshopformate behandeln zum einen den Anschlag vom 19. Februar 2020 und seine Folgen sowie die Forderungen der Familien. Im Fokus liegt hier die gesellschaftliche Teilhabe. Zum anderen werden im Antidiskriminierungsworkshop unterschiedliche Diskriminierungsformen und Handlungsmöglichkeiten dagegen beleuchtet. Im Rahmen der Unterrichtsgestaltung arbeiten Trainer:innen mit den Klassen. Das erklärte Ziel dabei: Brücken zu bauen und Verständnis zu fördern.

Erfahrung mit Rassismus

Ferhat Unvar hatte sich vor allem für Schulpolitik eingesetzt und von den rassistischen Erfahrungen berichtet, die er und seine Freunde immer wieder machen mussten. Er sei sich bewusst gewesen, dass es sich hierbei um ein strukturelles Problem handelte, und habe versucht, in seinem Umfeld ein Bewusstsein dafür zu schaffen, heißt es auf der Webseite der Initiative.

Der Walter-Dirks-Preis wurde von dem verstorbenen Pfarrer Franzwalter Nieten der Frankfurter St. Gallus-Gemeinde und dem katholischen Bildungswerk 1995 gestiftet und wird alle zwei Jahre verliehen. Seit 2009 sind das Haus am Dom und das Haus der Volksarbeit e.V. die Preisgaeber.

INFO

Weitere Informationen über die Bildungsinitiative Ferhat Unvar: https://www.bildungsinitiative-ferhatunvar.de

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