Frankfurt

Licht werfen auf ein gesellschaftliches Tabuthema

Im Haus am Dom wird am Freitag, 20. Februar, die Ausstellung „gesichtslos“ eröffnet. Sie lässt Frauen in der Prostitution selbst zu Wort kommen und gibt einen Einblick in eine verborgene Welt.

Frauen in der Prostitution sind täglich damit konfrontiert, ihre wahre Identität zu verbergen. In der Gesellschaft verstecken sie ihr Gesicht, träumen „gesichtslos“ von einem anderen Leben. Ausgehend von Erfahrungsberichten betroffener Frauen widmet sich die Ausstellung „gesichtslos ­ Frauen in der Prostitution“ diesem gesellschaftlichen Tabuthema und zeigt 40 Schwarz-Weiß-Fotografien des Fotografen Hyp Yerlikaya im Haus am Dom. Hyp Yerlikaya begleitete zehn Frauen zwei Jahre lang mit der Kamera. Mit dem Mittel der Inszenierung sind eindrucksvolle Bilder entstanden, die das „gesichtslose“ Dasein dieser Frauen innerhalb unserer Gesellschaft widerspiegeln. Die Anonymität und der Schutz der Abgebildeten werden durch das Tragen weißer Masken gewahrt. In den Ausstellungstexten kommen die Frauen selbst zu Wort und berichten von ihren Erfahrungen, Ängsten, Sorgen, aber auch Träumen und Hoffnungen.

Das Haus am Dom zeigt vom 20. Februar bis 12. April 2026 in Kooperation mit Sisters e.V. erstmalig in Frankfurt die Ausstellung der Mannheimer Beratungsstelle Amalie mit Fotografien von Hyp Yerlikaya. Konzipiert und erstellt wurde sie in Zusammenarbeit mit den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim.

Prostitution stellt immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema dar. Die gesellschaftliche Sichtbarmachung und die Anregung eines öffentlichen Diskurses über die oftmals prekären Lebens- und Arbeitswelten von Prostituierten in Deutschland sind Anliegen dieses Projektes. Viele Frauen in der Prostitution träumen von einem besseren Leben und davon, ihr bisheriges hinter sich zulassen. Die Ausstellung basiert auf Erfahrungsberichten von Frauen, die der Prostitution nachgehen. Oft haben sie ihre Heimatländer verlassen, um der dortigen Perspektivlosigkeit zu entkommen und in Deutschland eine neue Existenz unter besseren Bedingungen anzufangen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Ihr Leben und auch ihre Tätigkeit finden abseits der Gesellschaft und unter prekären Umständen statt. Die Öffentlichkeit hat oft einen verzerrten Blick auf Prostitution, wobei die verborgenen Parallelwelten und die damit verbundenen Belastungen unsichtbar bleiben. Viele Frauen leiden besonders darunter, dass sie ihre Tätigkeit und sprichwörtlich ihr Gesicht verbergen müssen. Hieraus entstand bei der Beratungsstelle Amalie die Idee, eine Fotoausstellung zu gestalten, die diesen Zwiespalt und das zerrissene Leben der Frauen aufzeigt. Grundlage für die Fotoausstellung sind aufgezeichnete Interviews von Frauen, die in der Prostitution arbeiten oder bereits ausgestiegen sind. Sie erzählen von ihren Ängsten, ihrem Alltag und ihren Sehnsüchten. Gerade, weil diese Frauen ständig mit Diskriminierung und Ächtung der Gesellschaft rechnen müssen, wurden bei der Umsetzung der fotografischen Gestaltung Masken verwendet, um die Anonymität der insgesamt zehn dargestellten Frauen zu wahren.

Info zur Ausstellung

Die Ausstellung wird am Freitag, 20. Februar, mit einer Vernissage um 19 Uhr eröffnet und bis zum 12. April im Haus am Dom Frankfurt (Domplatz 3, Innenstadt) zu sehen sein. Begleitend finden Führungen und Veranstaltungen zum Thema statt. Sie findet statt als Kooperation der Katholischen Akademie Rabanus Maurus/Haus am Dom mit SISTERS e.V. Der Eintritt ist frei, das Haus am Dom ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr (bei Abendveranstaltungen auch länger). 

Rahmenprogramm

Vernissage
Fr 20. Februar 2026
19:00–20:30 Uhr
Eintritt frei

Führungen (SISTERS e.V.)
So 22. Februar 2026
15:00–16:00 Uhr
Foyer, Haus am Dom
Sa 7. März 2026
16:00–17:00 Uhr
Foyer, Haus am Dom

Prostitution in Frankfurt –
Führung im Bahnhofsviertel

Sa 21. März 2026
15:00–17:00 Uhr
Informationen, Anmeldung:
ortsgruppe-frankfurt-rheinmain@sisters-ev.de 

Aufbruch –
Prostitution überwinden

Filmvorführung, Gespräch
Di 3. März 2026
19:00–21:00 Uhr
Eintritt frei

Kleidertausch zum
Internationalen Frauentag

Sa 7. März 2026
14:00–16:00 Uhr
Eintritt frei

Wem gehört die Stadt?
Feministische Perspektiven
auf die Situation von Frauen
in der Prostitution

Vortrag, Podiumsgespräch
Mo 23. März 2026
19:00–20:30 Uhr
Eintritt frei

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