Frauen in der Prostitution sind täglich damit konfrontiert, ihre wahre Identität zu verbergen. In der Gesellschaft verstecken sie ihr Gesicht, träumen „gesichtslos“ von einem anderen Leben. Ausgehend von Erfahrungsberichten betroffener Frauen widmet sich die Ausstellung „gesichtslos Frauen in der Prostitution“ diesem gesellschaftlichen Tabuthema und zeigt 40 Schwarz-Weiß-Fotografien des Fotografen Hyp Yerlikaya im Haus am Dom. Hyp Yerlikaya begleitete zehn Frauen zwei Jahre lang mit der Kamera. Mit dem Mittel der Inszenierung sind eindrucksvolle Bilder entstanden, die das „gesichtslose“ Dasein dieser Frauen innerhalb unserer Gesellschaft widerspiegeln. Die Anonymität und der Schutz der Abgebildeten werden durch das Tragen weißer Masken gewahrt. In den Ausstellungstexten kommen die Frauen selbst zu Wort und berichten von ihren Erfahrungen, Ängsten, Sorgen, aber auch Träumen und Hoffnungen.
Das Haus am Dom zeigt vom 20. Februar bis 12. April 2026 in Kooperation mit Sisters e.V. erstmalig in Frankfurt die Ausstellung der Mannheimer Beratungsstelle Amalie mit Fotografien von Hyp Yerlikaya. Konzipiert und erstellt wurde sie in Zusammenarbeit mit den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim.
Prostitution stellt immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema dar. Die gesellschaftliche Sichtbarmachung und die Anregung eines öffentlichen Diskurses über die oftmals prekären Lebens- und Arbeitswelten von Prostituierten in Deutschland sind Anliegen dieses Projektes. Viele Frauen in der Prostitution träumen von einem besseren Leben und davon, ihr bisheriges hinter sich zulassen. Die Ausstellung basiert auf Erfahrungsberichten von Frauen, die der Prostitution nachgehen. Oft haben sie ihre Heimatländer verlassen, um der dortigen Perspektivlosigkeit zu entkommen und in Deutschland eine neue Existenz unter besseren Bedingungen anzufangen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Ihr Leben und auch ihre Tätigkeit finden abseits der Gesellschaft und unter prekären Umständen statt. Die Öffentlichkeit hat oft einen verzerrten Blick auf Prostitution, wobei die verborgenen Parallelwelten und die damit verbundenen Belastungen unsichtbar bleiben. Viele Frauen leiden besonders darunter, dass sie ihre Tätigkeit und sprichwörtlich ihr Gesicht verbergen müssen. Hieraus entstand bei der Beratungsstelle Amalie die Idee, eine Fotoausstellung zu gestalten, die diesen Zwiespalt und das zerrissene Leben der Frauen aufzeigt. Grundlage für die Fotoausstellung sind aufgezeichnete Interviews von Frauen, die in der Prostitution arbeiten oder bereits ausgestiegen sind. Sie erzählen von ihren Ängsten, ihrem Alltag und ihren Sehnsüchten. Gerade, weil diese Frauen ständig mit Diskriminierung und Ächtung der Gesellschaft rechnen müssen, wurden bei der Umsetzung der fotografischen Gestaltung Masken verwendet, um die Anonymität der insgesamt zehn dargestellten Frauen zu wahren.