Dr. Daniela Kalscheuer
Referat Zeitgeschichte und Interkulturelles
Frankfurt
Die Fastenzeit neigt sich zu Ende und damit die Misereor‑Fastenaktion, die dieses Jahr ihren Fokus auf Kamerun richtete. Im Rahmen dieser Aktion ist eine dreiteilige Podcastreihe entstanden, die zentrale Fragen nach Identität, Partnerschaft und Verantwortung in postkolonialen Kontexten beleuchtet. Die Gespräche führen eindrücklich vor Augen, wie stark koloniale Geschichte, Missionspraxis und globale Ungleichheiten bis heute nachwirken – und welche neuen Wege des Zuhörens, Lernens und Miteinanders möglich sind.
Die Reihe ist eine Kooperation mit Misereor und der Abteilung Weltkirche und der Katholischen Akademie Rabanus Maurus im Rahmen der Misereor Fastenaktion 2026. Die Folgen können hier angehört werden und sind auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen (Kanal "Haus am Dom") frei abrufbar.
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Die erste Folge, „Zwischen den Welten – Ein Gespräch über hybride Identitäten, Kolonialgeschichte und Literatur als Widerstand“, rückt die Autorin Mirrianne Mahn und ihren Roman Issa in den Mittelpunkt. Das vielstimmige Werk eröffnet einen tiefen Einblick in Fragen hybrider Identität, den Umgang mit kolonialen Wunden und die Suche nach Zugehörigkeit. Mahn erzählt, wie Literatur zum Raum für Selbstermächtigung werden kann und welche Verantwortung sie in postkolonialen Gesellschaften trägt.
In der zweiten Folge, „Zuhören, erinnern, neu beginnen? – Interreligiöser Dialog und die Aufarbeitung der Missionsgeschichte“, kommen Pater Markus Hau und Charlotte Njikoufon miteinander ins Gespräch. Sie verbinden institutionelle Verantwortung mit praktischer Dialogarbeit und stellen die Frage, wie eine Kirche aussehen kann, die ihre Vergangenheit ehrlich betrachtet, verdrängte Stimmen stärkt und aus Fehlern lernt.
Die dritte Folge, „Partnerschaft auf Augenhöhe – Entwicklungsarbeit zwischen Limburg und Kamerun“, zeigt, wie anspruchsvoll echte Gleichberechtigung in der internationalen Zusammenarbeit ist. Robert Tanto, Winfried Montz und Marianne Pötter Janzen geben Einblicke in Entscheidungsprozesse, Erwartungen und historische Belastungen – und sprechen über Schritte hin zu echter Teilhabe und gemeinsamer Verantwortung.